Eine Hotline für spirituell-religiöse Fragen

Spitalseelsorgerin Lisa Palm (3. v. l.) stellt dem Onko-Plus-Team die neue Seelsorge-Hotline vor, die eigentlich einem aufsuchenden Angebot entspricht. Die Seelsorgenden besuchen nämlich die Palliativpatientinnen und -patienten bei Bedarf auch zu Hause (Bild: sa).

Das Onko-Plus-Team hat sich von Seelsorgerin Lisa Palm über ein Angebot beraten lassen, dass speziell auf Palliativpatientinnen und -patienten, die zu Hause leben, zugeschnitten ist.

Die kirchlichen Spitalseelsorgenden im Kanton Zürich haben Ende letzten Jahres eine Hotline ins Leben gerufen. Letzte Woche hat Lisa Palm, Beauftragte für Palliative Care der katholischen Kirche und Spitalseelsorgerin am Universitätsspital Zürich, das Angebot dem Onko-Plus-Team vorgestellt. Unter der Nummer 044 554 46 66 (oder von Winterthur aus 052 224 03 80) ist wochentags von 8 bis 17 Uhr eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger direkt erreichbar. In Notfällen kann auch in der Nacht, am Wochenende oder an Feiertagen auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht hinterlassen werden, und innerhalb von 24 Stunden nimmt die zuständige Begleitperson Kontakt mit der Patientin oder dem Angehörigen auf.

«Unser Verständnis von Spiritualität ist individuell, aber vertrauend auf eine überpersonelle Kraft, die in jedem Menschen wirkt.»

Das Angebot richtet sich an Patientinnen und Patienten, die sich in einer palliativen Situation befinden, und ihre Angehörigen, ungeachtet ihrer Religion oder konfessionellen Zughörigkeit. Das Team, das neben Lisa Palm aus Matthias Fischer, Patricia Machill, Regula Oberholzer und Daniel Burger besteht, bietet eine spirituell-religiöse Begleitung an: «Unser Verständnis von Spiritualität ist individuell, aber vertrauend auf eine überpersonelle Kraft, die in jedem Menschen wirkt. In der Begleitung stehen existenzielle, spirituelle und religiöse Themen im Vordergrund.»

Rufe jemand an und äussere in diesem Erstgespräch den Wunsch nach seelsorgerischer Begleitung, werde diesem schnellstmöglich entsprochen. Wenn gewünscht durch einen Seelsorger oder eine Seelsorgerin der nahen Kirchgemeinde. Oft geht aber auch jemand vom Hotline-Team vorbei.

Seelsorgerische Begleitung beinhaltet laut der Theologin Gespräche (über den Alltag, in Krisen oder Lebensrückblicke), achtsames Dasein, Abschied- und Trauerbegleitung, Meditationen und auch konfessionelle Riten wie Kommunion, Abendmahl oder Krankensalbung.

Hotline gut gestartet

Das Projekt sei relativ gut angelaufen, erzählte Lisa Palm. In den neun Monaten, in denen die Seelsorge-Hotline nun offen ist, hätten 26 Personen angerufen; darunter pflegende Angehörige, die ein grosses Redebedürfnis hatten, trauernde Menschen oder andere Seelsorgende, die sich in der Betreuung von Palliativpatienten beraten liessen.  Und es meldeten sich auch Menschen mit anderen Problemen. Letztere habe man an die Dargebotene Hand weiterverwiesen.

In der Palliative Care geht man davon aus, dass ein Mensch neben körperlichen, seelischen und sozialen auch spirituelle Bedürfnisse hat. Gerade wer mit einer lebensverkürzenden Diagnose konfrontiert ist, stellt sich Fragen wie: Warum ich? Was kommt nach dem Tod? Was hat mein Leben für einen Sinn?

Die kirchliche Seelsorge hat sich seit jeher intensiv um Kranke und Sterbende gekümmert. In unserer individualisierten Gesellschaft sind Kirchgängerinnen und -gänger aber seltener geworden, und es gibt immer mehr Konfessionslose. Nichtsdestotrotz sind die spirituellen Bedürfnisse nach wie vor da. Was man zum Beispiel am Boom von esoterisch-spirituellen und fernöstlichen Angeboten sieht.

Meditation, Kommunion, Segen

Lisa Palm schilderte das Beispiel einer Patientin mit Darmkrebs, die sich jedoch noch nicht ganz am Lebensende befindet. Die lokale Spitex und ein spezialisiertes Palliative-Care-Team unterstützen sie zu Hause. Einer der Pflegenden fiel aufgrund der herumliegenden Bücher auf, dass sich die Patientin intensiv mit spirituellen und philosophischen Fragen beschäftigt, und stellte ihr das Angebot der Seelsorge-Hotline vor. Lisa Palm geht nun selbst 14-täglich bei der Frau vorbei. Diese wünsche sich meist ein Gespräch oder eine sogenannte «Heilmeditation». Neu wechselt Palm sich mit einem Seelsorger der Kirchgemeinde ab, welcher der Patientin die Kommunion und den Segen bringe.

Die Hotline ist entstanden, weil Palm und Kollegen oftmals von Spitex-Mitarbeitenden das Feedback erhielten, ein Patient hätte spirituelle Unterstützung nötig. Selbst hatten sie aber keine Zeit, diese aufzugleisen. Nun übernimmt die Hotline diese Triage.

2018-10-31T12:55:26+00:00 24.10.18|