Was tun, wenn jemand zu Hause gestorben ist?

Manchmal sind Hinterbliebene  froh, wenn der Bestatter den Verstorbenen möglichst bald einsargt und abholt. Menschen reagieren «sehr unterschiedlich» auf den Tod, sagt Pflegefachfrau Lea Furrer (Bild: fotolia.com/Robert Hoetink).

Immer wieder erleben wir, dass jemand zu Hause verstirbt, und die Angehörigen total überfordert sind mit der Situation. Sie wissen meist: Ich muss etwas unternehmen, wissen aber nicht, was. Das ist verständlich: Als normaler Mensch hat man nicht täglich mit dem Tod zu tun. Zudem dürfte das einer der Momente im Leben sein, in dem man emotional am meisten gefordert ist. Deshalb bietet sich hier eine Checkliste an, die einem hilft, trotz Gefühlschaos nichts Wichtiges zu vergessen.

  • Abschied nehmen

    Ist jemand gestorben, muss man sich nicht übermässig beeilen mit dem Benachrichtigen von medizinischem Fachpersonal, sondern kann sich Zeit lassen. Onko-Plus-Mitarbeiterin Lea Furrer weiss von einer Ehefrau, die noch eine Nacht neben ihrem toten Gatten geschlafen habe. «Andere wollen keine Sekunde länger alleine sein mit dem Verstorbenen», sagt sie. «Die richtige Reaktion gibt es nicht. Menschen reagieren äusserst verschieden auf den Tod.»

    Furrer findet es vor allem wichtig, dass sich Angehörige Zeit nehmen, sich vom Verstorbenen zu verabschieden. Dabei können Rituale helfen, zum Beispiel ihn zu waschen, zu rasieren, etwas Schönes anzuziehen oder ihm etwas «mit auf die Reise zu geben», etwa eine Blume oder ein Plüschtier. Da das Waschen, Anziehen oder Umlagern alleine schwierig sein könnte, ist der nächste Tipp zu beachten.

  • Den Pflegedienst Ihres Vertrauens informieren

    Pflegefachpersonen wissen, was zu tun ist, wenn jemand zu Hause stirbt. Angehörige, die eine Patientin oder einen Patienten zu Hause gepflegt haben, konnten meistens zu Mitarbeitenden der lokalen Spitex oder eines spezialisierten Dienstes wie Onko Plus Kontakte knüpfen. Erhält Lea Furrer in der Nacht die Meldung, jemand sei gestorben, erkundigt sie sich zuerst, ob ihr Besuch erwünscht ist, oder ob die Familie lieber alleine sein will.

    Auf Wunsch geht sie vorbei, meist um die Sorgen und Nöte der Hinterbliebenen zu mildern. Daneben gehört zu ihren Aufgaben, den Leichnam flach hinzulegen. Denn ein Toter in Embryostellung kann nur schwer eingesargt werden. Nach zwei bis drei Stunden setzt die Totenstarre ein, und der tote Körper ist nicht mehr leicht zu bewegen. Ausserdem schliesst sie Augen und Mund der verstorbenen Person. Das sind kosmetische Massnahmen, denn die Augen der Toten werden trüb, und es wirkt friedlicher, wenn jemand mit geschlossenen Augen daliegt. Dann sieht es aus, als würde er schlafen. «Der Tod ist für Angehörige ohnehin ein sehr belastender Moment. Sie können sich leichter verabschieden, wenn der Verstorbene möglichst schön anzusehen ist», erklärt Furrer. Den Toten zu Hause zu behalten, eine Totenwache abzuhalten, sei bis zu drei Tage möglich.

  • Eine Ärztin oder einen Arzt rufen

    Bevor eine verstorbene Person vom Bestatter abgeholt werden kann, muss eine Ärztin oder ein Arzt einen Totenschein ausstellen. Darin wird festgehalten, ob es sich um einen natürlichen Todesfall handelt. Sind in der Nacht oder an einem Wochenende weder Hausarzt noch Spezialärztinnen abkömmlich, werden zum Ausstellen des Totenscheins häufig auch die SOS-Ärzte gerufen. Die ärztliche Todesbescheinigung muss später im Original der Gemeinde eingereicht werden (siehe nächster Punkt).

    Lea Furrer wird manchmal gefragt, ob man die Polizei rufen muss, wenn jemand zu Hause stirbt. Das ist bei einem sogenannt «erwarteten Todesfall» nicht nötig. Nur bei überraschenden Todesfällen, etwa durch einen Unfall oder einen Suizid, muss die Polizei den Hergang abklären.

  • Den Todesfall auf der Gemeinde melden

    Ein Angehöriger oder eine andere bevollmächtigte Person sollte einen Todesfall innerhalb von zwei Tagen persönlich auf dem Bestattungsamt der Wohngemeinde melden. Es empfiehlt sich, sich telefonisch vor dem Besuch der Gemeindeverwaltung anzumelden.

    Viele Gemeinden stellen ihren Bewohnerinnen und Bewohnern tipptoppe Merkblätter zur Verfügung, wie je ein Beispiel aus Uetikon am See oder aus Niederweningen zeigen. Sie listen auf, was man mitbringen und woran man ausserdem denken soll.

    Mitgebracht werden müssen folgende Dokumente:

    • die vom Arzt ausgestellte Todesbescheinigung
    • den Schriftenempfangsschein, falls vorhanden
    • das Familienbüchlein, falls zu Hause
    • Pass, Identitätskarte, Ausländerausweis etc. der verstorbenen Person

    Die Gemeinde wird die Überführung der Leiche organisieren, Privatpersonen dürfen nämlich einen Toten nicht transportieren. Jede Gemeinde hat einen Vertrag mit einem privaten Bestattungsunternehmen, der diesen Dienst für sie übernimmt. Viele Gemeinden regeln in diesem Gespräch auch die Bestattungsart sowie die Formalitäten rund um die Beerdigung (siehe übernächster Punkt).

    Möchten die Hinterbliebenen hingegen, dass der Verstorbene möglichst rasch abgeholt wird – noch bevor sie mit der Gemeinde gesprochen haben – finden sie auf der Website des schweizerischen Verbands der Bestattungsdienste den nächsten Bestatter. Die meisten haben eine Pikett-Telefonnummer.

    Das Zivilstandsamt des Todesortes meldet ausserdem der Schweizerischen Ausgleichskasse in Genf den Todesfall, um allfällige AHV- oder IV-Renten zu stoppen. Falls Hinterbliebene Recht auf eine Witwen- oder Waisenrente haben, müssen sie dies geltend machen. Die entsprechenden Formulare sind bei der SVA Zürich erhältlich.

  • Familie, Freunde, Arbeitgeber, Vermieter etc. informieren

    Falls die oder der Verstorbene noch gearbeitet hat, muss auch der Arbeitgeber über den Todesfall in Kenntnis gesetzt werden. Dasselbe gilt für den Vermieter, für Vereine, Krankenkasse, Unfall- und Lebensversicherung und bei ausländischen Staatsangehörigen eventuell das Konsulat.

    Nicht zuletzt sollten weitere Angehörige, Freunde und Nachbarn vom Hinschied erfahren, falls sie das noch nicht getan haben. Je nach Alter und Umfeld des Verstorbenen, werden Meldungen über Todesfälle heutzutage sogar auf den sozialen Medien verbreitet.

  • Bestattung anmelden, Todesanzeige aufgeben

    Meist können Hinterbliebene auf der Gemeinde auch gleich bestimmen, wie die verstorbene Person bestattet werden soll. Deshalb soll man sich zuvor folgende Fragen überlegen:

    • Soll der Verstorbene kremiert oder in der Erde bestattet werden?
    • Soll er zuvor aufgebahrt werden?
    • Wie sollen Sarg oder Urne aussehen?
    • Wann soll die Trauerfeier statfinden?
    • Wo soll die Abschiedsfeier stattfinden? In der Abdankungshalle, in der Kirche oder eventuell nur am Grab?
    • Soll die Beisetzung in einem Reihen-, Urnen-, Gemeinschafts-, Familien- oder bereits einem bestehenden Grab stattfinden? Möglicherweise hat die verstorbene Person dies bereits zu Lebzeiten geregelt und eine entsprechende Erklärung beim Bestattungsamt deponiert.
    • Soll eine Todesanzeige erscheinen? In welchen Zeitungen? Noch vor der Abschiedsfeier oder vielleicht erst danach? Die Gemeinden publizieren im amtlichen Publikationsorgan eine amtliche Todesanzeige. Auf Wunsch auch erst nach der Abschiedsfeier.
    • Will man einen Vermerk in der Todesanzeige platzieren, dass anstelle von Blumenspenden eine wohltätige Organisation wie zum Beispiel Onko Plus unterstützt werden soll?
  • Abschiedsfeier planen

    Immer häufiger möchten Menschen eine unkonventionelle Trauerfeier abhalten und nicht mehr eine klassische Beerdigung in einer Kirche oder der Friedhofskapelle. Gleichzeitig wächst das Angebot an Fachpersonen – sogenannten Ritualgestaltern –, die sich auf nicht-religiöse Trauerfeiern spezialisiert haben. Denn obwohl der Einfluss der Kirchen schwindet, sind sich Fachpersonen einig, dass Rituale beim Abschiednehmen helfen.

    Eine nicht vollständige Auswahl von Ritualgestalterinnen und -gestaltern aus dem Kanton Zürich:

    Nach traditionellem Muster findet nach der Trauerfeier das sogenannte Leichenmahl statt. Hierzu müsste ein Restaurant bestimmt, ein Menü ausgesucht und die Anzahl der Gäste angegeben werden. Auch bei unkonventionellen Trauerfeiern kann ein Zusammensitzen nach dem Ritual schön sein, zum Beispiel in der Lieblingsbar der verstorbenen Person.

  • Danksagungen verschicken, Grabstein und/oder Grabbepflanzung bestellen

    Vor, während und nach der Trauerfeier erhalten die Hinterbliebenen meist viele Beileidsbekundungen. Diesen kann man mit einer Danksagungskarte beantworten, oder man publiziert eine solche in einer Tageszeitung. Je nach Grab muss man einen Grabstein aussuchen sowie die Grabbepflanzung bestellen.

    In Zürcher Gemeinden ist die Bestattung in einfachem Rahmen kostenlos. Bezahlt werden müssen jedoch der Unterhalt und die Bepflanzung der Gräber, sofern man diese nicht selber vornimmt.

2018-02-12T20:24:17+00:00 13.12.16|